Abendzyklus Transzendenz

Abendzyklus TRANSZENDENZ
Eine Kurzbeschreibung der Inhalte der einzelnen Abende

 

1. Abend: Vision und Transzendenz

Der erste Abend wendet sich nach einer Einführung in die Thematik „Transzendenz“ dem Wesen und der Praxis von Visionen zu. Sind doch Visionen ein Ergebnis jener Bestrebungen, unserem Leben einen übergeordneten, dem Alltag enthobenen, das ganze Leben und alle Lebensräume umfassenden Sinn zu geben. Vision und Lebenssinn gehören zusammen, untrennbar. Doch wohnen Visionen nicht im Alltagsgetriebe, sondern wachsen im „noetischen Erdreich“, wie George Pennington es formulierte. Unter noetischem Erdreich ist jener geistige Raum zu verstehen, der sozusagen „von unten“ an die lichten Höhen von Gleichzeitigkeit und Nichtzeitlichkeit, also purer Transzendenz, heranreicht. Mit Hilfe entsprechender Führung und geeigneter Methoden, die für die allermeisten Menschen in überraschend kurzer Zeit erlernbar sind, kann man diese Visionsräume aufsuchen und von dort Lebenssinn gebende Visionen mitbringen.

Dies wird an diesem Abend erläutert und in einer kleinen praktischen Übung mit der Visions-Trance erlebbar und erfahrbar gemacht werden.

 

2. Abend: Ekstase und Transzendenz

Wir alle sind Ekstase-Entwöhnte. Wir wissen nicht, wie wir wirkliche Ekstase erreichen können. Wir kennen zwar jede Menge Ekstase-Surrogate, wie Fußballspiele, Motorradfahren, Drogenparties oder Psychoanalyse. Doch wir wissen nichts oder nur erschütternd wenig, wie sich Ekstase anpeilen lässt. Dabei wäre auch das nicht so schwierig….

Daher werde ich an diesem zweiten Abend mit einer sprachlich-rational gefassten Beschreibung, was Ekstase ist oder sein kann und was es nicht ist, beginnen. Danach werden Gedichte, Lieder und Geschichten über und von der Ekstase vorgelesen und gemeinsam klingen gelassen, um eine Anmutung von der Süße, aber auch von der Mächtigkeit und Gewaltigkeit der Ekstase zu vermitteln. Wie weit die praktischen Übungen es erlauben werden, einen Geschmack von der Ekstase auf den Lippen zu spüren, werden wir sehen.

Inspirierend wird es in jedem Falle werden….

 

3. Abend: Tod und Transzendenz

Die „wirkliche“ Transzendenz allerdings tritt spätestens beim Tod ein – der jeden ereilt, das ist die einzige Sicherheit, die wir im Leben haben. Spätestens dann werden wir sehen, wie wir mit Transzendenz, dem „Großen Loslassen“, tatsächlich umgehen können. Und wohin uns dieser letzte große Sprung führen wird oder kann.

Im gesprochenen Teil des zweiten Abends führen die erzählten Gedanken und Geschichten über den Tod und das Sterben zu einer Hinwendung zum Tod, um dadurch wirklich zum Leben zu finden. Mehrere praktische Übungen und kurze Meditationen nach dem Prinzip eines „durch optionale Tode gehen“ führen uns an diese letzte Grenze heran - und wieder ins Leben zurück. Und hinterlassen uns als veränderte, erneuerte und ungleich lebensfreudigere Menschen…..

 

4. Abend: Transzendenz und der Krieger

Dennoch, bei aller Leichtigkeit und Flüssigkeit im Umgang mit Transzendenz: Jede auch nur kleine Begegnung mit dieser existenziellen Dimension trägt das Potenzial in sich, unser Leben vollständig auf den Kopf zu stellen, nichts bleibt wie es jemals war. Spätestens beim eigenen Sterben, dieser unausweichlichen Annäherung an Transzendenz schlechthin, oder auch bei der Begleitung eines geliebten Menschen auf seinem Weg zum nahenden Tod, oder auch nur in unerwarteten und überraschenden Gipfelmomenten des Lebens zeigt es sich, aus welchem Holz wir geschnitzt sind und wie wir die Herausforderungen des Lebens genutzt haben, uns mit Transzendenz vertraut zu machen – oder eben nicht. Die Konsequenzen reichen von elendiger Todespanik bis zur friedlich hingegeben All-Liebe.

In den Jahrzehnten Arbeit zu „Bewusstsein für Bewusstsein“ habe ich Lebensweisen und Lebenspraktiken studiert, wie mit Transzendenz umgegangen werden kann, welche Haltungen und Praktiken wirklich nützen.
Tatsächlicherweise gibt es in nahezu allen Kulturen der Welt Pakete an Wissen, Praktiken und Lebensweisen, welche für Begegnungen mit Transzendenz hervorragend geeignet und ausgestattet sind: die Kriegerwege. Ob der Weg der Samurai, der Massai-Krieger, der Berserker, der buddhistische Shan-Mönche oder der indianisch-schamanischen Krieger - in allen Fällen handelt es sich um über Jahrhunderte und Jahrtausende erprobte Formen und Wege, kleiner und großer Transzendenz-Begegnungen standhalten zu können.

Der letzte Abend des Zyklus gibt eine Gesamtschau auf diese Kriegerwege, zeigt deren Wesenskerne und bestärkt uns in der Gewissheit: Transzendenz ist der Kontext, die Einbindung, der „Rand“ unseres Lebens. Und ja, es gibt tatsächlich wirkungsvolle Weisen, mit der tatsächlichen und ständigen Gegebenheit von Transzendenz so umzugehen, dass wir am Ende unseres Lebens sagen können: Ja, es war ein gutes Leben. Und: Ich bekenne, ich habe gelebt. [1]

 

Dr. Rudolf Kapellner
Wien, im Januar 2016

 

[1] Pablo Neruda, Autobiografie